„Junge Dame mit Perlenhalsband“ – Jan  Vermeer van Delft
1664, Gemäldegalerie in Berlin


Dieses Bild lässt uns an einem besinnlichen Moment teilhaben. Wir werden Zeugen einer Anprobe. In großer Ruhe entwirft eine junge Frau Zukunftsperspektiven und wir mit ihr. Sie befindet sich in einer Phase des Übergangs, sie steckt im „Dazwischen”.
Sei es sie ist eine Magd die austestet wie es ist eine Herrin zu sein, eine junge Frau, die sehnsuchtsvoll auf ihren Geliebten wartet von dem sie vielleicht auch noch schwanger ist. Oder eine Prinzessin, die das Amt einer Königin übernehmen soll. Wir verspüren eine selige Vorfreude, die die Erfüllung ihrer Träume mit sich bringen würde. Gleichzeitig wird sie sich, und wir uns, der bedrückenden Unmöglichkeiten oder der Konsequenzen solcher Verwandlungen bewusst.
Wir fangen an uns zu fragen, kann ich als Magd Herrin werden, in welche Fremdbestimmung gerate ich als junge Frau mit einem alten, mächtigen Mann? Ertrage ich den Formzwang eines höfischen Zeremoniells? Wird mein Geliebter kommen oder bleibe ich mit dem Kind alleine?
Der psychologische Gehalt dieses Werks besteht darin, dass es uns einen Freiraum eröffnet sich mit unseren eigenen Möglichkeiten und Grenzen auseinander zu setzen. Das kann sowohl beängstigende, beflügelnde oder ernüchternde Wirkungen hervorrufen..

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ZUR BEACHTUNG:
Die Bildanalysen sind entstanden durch die wissenschaftliche Beschreibung von Erlebensprozessen der Teilnehmer an BILDERLEBEN-Workshops. Nur durch einen Erlebensprozess bekommt man einen Zugang zum Kunstwerk. Die Beschreibung öffnet den Betrachtern den Weg zur Struktur des Werkes, die im Alltag unbewusst ist.

Verwendung der Bilder unter CCC-Licence.