Max Liebermann, Die Rasenbleiche (1882),
Wallraf-Richartz-Museum, Köln


Das Bild hat eine enorme Anziehungskraft. Man mag es. Es ist schön. Alles ist ordentlich. Es ist klar. Man kann bis in die letzten Details schauen. Die Landschaft, der Hof wirken idyllisch. Das ist eine heile Welt. Jeder hat seinen Platz und seine Aufgabe, der er nachkommen kann. In großer Ruhe, fast meditativ, wird die Arbeit verrichtet. Als sollte das alles immer so bleiben bemerken wir hier eine Art Starre. Die Menschen leben nach extrem starren Regeln wie bei einer Sekte.

Bei der ganzen Reinheit beginnen wir uns zu fragen, wo bleibt denn hier das Unreine. Manchen Betrachtern fällt dazu ein, die Hühner hätten auf die Betttücher geschissen. Die erzwungene Ordnung wird mehr und mehr unangenehm. Was passiert mit Abweichendem? Was passiert, wenn man da raus möchte? Irgendetwas Schmutziges wird hier versteckt. Im Extrem stellt man sich vor, dass die missbrauchten Kinder im Keller versteckt sind. Der Horror der Reinheit!

Max Liebermann, Die Rasenbleiche

 
 

ZUR BEACHTUNG:
Die Bildanalysen sind entstanden durch die wissenschaftliche Beschreibung von Erlebensprozessen der Teilnehmer an BILDERLEBEN-Workshops. Nur durch einen Erlebensprozess bekommt man einen Zugang zum Kunstwerk. Die Beschreibung öffnet den Betrachtern den Weg zur Struktur des Werkes, die im Alltag unbewusst ist.

Verwendung der Bilder unter CCC-Licence.