Die Marquise de Soucarières und ihr Page – Nicolas de Largillière (1729),
Wallraf-Richartz-Museum, Köln


Da ist eine Herrin mit einem Sklaven. Und das ist fies! Das Unangenehme macht sich zunächst an der Herrin fest, die von uns gehörig abgewertet wird. Die ist arrogant, eingebildet, stellt sich immer in den Vordergrund, sie breitet sich aus, nimmt den anderen die Luft zum Atmen. Manche gehen soweit zu sagen, sie ist dick geschminkt, aber in Wirklichkeit verlaust. Sehnsüchtig himmelt der oder die Sklavin die Herrschaft an. Beides gefällt uns im Jahre 2013 überhaupt nicht. Herrscher zu sein, ist politisch unkorrekt, Diener zu sein aber auch! Erst wenn wir durch die große Abwehr hindurch kommen, bemerken wir an uns selbst, dass sowohl das Herrschen als auch das Dienen Seiten haben, die uns - wenn auch insgeheim - sehr gefallen. Wir haben Einfälle dazu, wie viel Freude es machen kann, jemandem zu dienen. Und dass es aber auch immer wieder jemanden braucht, der voran geht und dem man folgen kann.

War die Herrin im ersten Moment noch sehr unangenehm, müssen wir ihr nach einer Weile zugestehen, „die traut sich was!“ Die nimmt sich was raus! Wie prachtvoll sie gekleidet ist, wie stolz sie ihren Schmuck trägt! Und wie gerne wir insgeheim so was auch mal gerne leben würden. Aber auch die Dienerschaft erscheint nach einer Weile in einem anderen Licht. Er oder sie hat was von der Herrschaft. Er oder sie bekommt schöne Kleider, bekommt Schmuck, wird ernährt und erhält Sicherheit.

Wir sind immer beides! Herrscher und Diener. Die beiden Seiten brauchen sich.

Nicolas de Largillière, Die Marquise de Soucarières und ihr Page

 

 

ZUR BEACHTUNG:
Die Bildanalysen sind entstanden durch die wissenschaftliche Beschreibung von Erlebensprozessen der Teilnehmer an BILDERLEBEN-Workshops. Nur durch einen Erlebensprozess bekommt man einen Zugang zum Kunstwerk. Die Beschreibung öffnet den Betrachtern den Weg zur Struktur des Werkes, die im Alltag unbewusst ist.

Verwendung der Bilder unter CCC-Licence.