„Mantuaner Freunde” – Peter Paul Rubens
(1604), Wallraf-Richartz-Museum, Köln


Der erste Eindruck des Werkes ist meist düster, geheimnisvoll und ernst. Im Halbdunkel erkennen wir eine Gruppe von Männern. Sie sind gekleidet wie wohlhabende Kaufleute oder Honoratioren einer Stadt. Es geht wohl um die Besprechung eines wichtigen Themas. Was die Betrachter besonders fesselt, sind die unterschiedlichen Konstellationen, die diese Gruppe hergibt. „Ist das ein geheimes Treffen von Logenmitgliedern“, fragen sich die Betrachter, „die auf keinen Fall gemeinsam gesehen werden wollen.“ Gibt es Gruppierungen innerhalb der Gruppe? Drei gegen Drei. Halten die zusammen oder droht hier Verrat?
Eine Person, ein gut aussehender junger Mann, der besonders elegant gekleidet ist, wendet sich den Bildbetrachtern zu. Lädt er uns ein, Teil der Gruppe zu werden? Oder ist es ein warnender Blick, der sagt: „Ihr habt hier nichts zu suchen!“. Oder ist er gar in eine Verbindung geraten, aus der er hinaus will, die ihn aber nicht gehen lassen wird. Es zeigen sich hier die verschiedenen Wendungen, die mit dem Verhältnis des Einzelnen und der Gruppe zu tun haben. Wir brauchen die Gruppe, müssen uns dafür aber auch Regeln unterwerfen, die uns einschränken. Und die Frage ist, wann werden die Einschränkungen so groß, dass sich der Vorteil, einer Gruppe zuzugehören, ins Gegenteil verkehrt. Freud nannte das „das Unbehagen an der Kultur“.

Peter Paul Rubens, Mantuaner Freunde

 

 

ZUR BEACHTUNG:
Die Bildanalysen sind entstanden durch die wissenschaftliche Beschreibung von Erlebensprozessen der Teilnehmer an BILDERLEBEN-Workshops. Nur durch einen Erlebensprozess bekommt man einen Zugang zum Kunstwerk. Die Beschreibung öffnet den Betrachtern den Weg zur Struktur des Werkes, die im Alltag unbewusst ist.

Verwendung der Bilder unter CCC-Licence.