Vincent van Gogh – Die Brücke bei Arles

Das Bild wirkt zunächst wie eine Szene aus einem schönen Urlaubserlebnis. Sommerlich, warm, idyllisch. Aber die schöne Atmosphäre trügt: gerne würden wir das Bild in dieser Weise weiter betrachten, doch Unheimliches schimmert durch, dass an der schwarzen Person auf der Brücke festgemacht wird. Das ist sehr unangenehm, da bekommen wir es mit der Angst zu tun. Was ist mit der schwarzen Person los? Warum ist sie schwarz gekleidet? Warum steht sie auf der Brücke? - All das fragen wir uns. Die Einfälle, die den Betrachtern dazu kommen haben, wie bei jedem guten Kunstwerk, mit einem seelischen Grundproblem zu tun.

Diese Übergänge beschreiben die Betrachter als das Her- und Herauskommen aus einem kleinen Dorf, einer Beziehung, die zu Ende gegangen ist, als ein Neuanfang zum Studium in einer fremden Stadt ...! Wir spüren den Schmerz der Trennung.
Um uns vor Neuem/Fremden zu schützen möchten wir die Brücke hochziehen, dadurch wird eine Veränderung jedoch unmöglich.
Die Anziehungskraft des Gewohnten verspricht uns Sicherheit und die Verlockung des Neuen wird durch die Angst vor dem Unbekannten gebremst. Was erwartet uns dort, werden wir uns dort zu Recht finden ...?
Denn der Ausgang bleibt für uns ungewiss. Somit müssen wir ein Risiko eingehen, einen Schritt wagen, ohne zu wissen, was uns erwartet.
Das Bild ist in der Lage jedem seine persönliche Übergangssituation deutlich zu machen.

Text von: Hans-Christian Heiling, Angela Liepe, Anna Mika, Lelde Sütcü

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ZUR BEACHTUNG:
Die Bildanalysen sind entstanden durch die wissenschaftliche Beschreibung von Erlebensprozessen der Teilnehmer an BILDERLEBEN-Workshops. Nur durch einen Erlebensprozess bekommt man einen Zugang zum Kunstwerk. Die Beschreibung öffnet den Betrachtern den Weg zur Struktur des Werkes, die im Alltag unbewusst ist.

Verwendung der Bilder unter CCC-Licence.